Nachgefragt bei Birgit Scheibl, Gewinnerin in der Kategorie "Kreativer Ofengenuss"

10. Oktober 2019

Ob gebacken, geschmort, gegrillt oder gedämpft – in unserer Kategorie "Kreativer Ofengenuss" waren wir gemeinsam mit unserem Partner NEFF auf der Suche nach den kreativsten Ofengerichten. Das Rennen hat die wunderbare Birgit Scheibl aka Essthetin gemacht, die mit ihrem Rezept "Grumbira in da Depsi" genau dieses tolle Gefühl einfängt, wenn sich die Ofentür öffnet und ein unvergleichlicher Duft herausströmt. 

Birgit, wie ist die Idee zu deinem Blog entstanden? Woher kommt der Name „Essthetin"?

Durch meine Liebe zum Kochen, die seit meiner frühsten Kindheit besteht, und durch meinen Beruf als Ernährungspädagogin. Ausschlaggebend war letztendlich, dass mich Freunde und Verwandte nach Essenseinladungen immer wieder nach meinen Rezepten fragten. Da kam mir eben die Idee eine eigene Plattform zu entwickeln, in der ich meine Rezepte veröffentliche. Essthetin setzt sich aus Essen und Ästhetik zusammen ... einfaches Essen schön zu präsentieren, war immer mein Ziel.

Du bist nicht nur Food Bloggerin, sondern auch Fotografin und Ernährungspädagogin. Was macht für dich einen ausgewogenen Ernährungsstil aus?

Für einen ausgewogenen Ernährungsstil ist Inspirationsquelle Nr. 1 für mich vor allem die Jahreszeit – saisonal zu kochen, mit guten Produkten aus der Region, das inspiriert mich schon sehr! Ich arbeite gerne mit wenigen und einfachen Lebensmitteln – so bleibt Kochen auch eine dauerhafte Herausforderung. Bezogen auf einzelne Lebensmittel spielen Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln und Rosmarin eine sehr große Rolle in meiner Küche – die kommen übrigens aus dem eignen Garten. Und ohne mein selbstgemachtes Frühstücksmüsli kann der Tag sowieso nicht starten. Da kombiniere ich Haferflocken, Buchweizen, Leinsamen, Leinöl, Milch, Joghurt, Zimt und Obst je nach Saison. Fleisch- und Wurstprodukte verzehre ich nur selten, aber wenn sie auf den Tisch kommen, muss die Qualität schon stimmen. Außerdem verarbeite ich viel Mehl, da ich fast mein gesamtes Brot selbst backe – da träume ich von einer eigenen Backstube, in der ich dann mein Brot auch verkaufe – irgendwann werde ich das vielleicht verwirklichen.

Du hast mit deinem Rezept „Grumbira in da Depsi" gewonnen, ein Rezept deiner Oma. Verrate uns: was hat es mit diesem besonderen Rezept auf sich – und vor allem: was ist eine „Depsi"?

„Grumbira in da Depsi" ist ein donauschwäbischer Begriff, meine Oma ist kroatischer Herkunft, und bedeutet so viel wie "Erdäpfel im Reindl". Der einfache Auflauf wurde früher in der alten Heimat meiner Oma, wochentags aus Erdäpfeln, Zwiebeln und Reis zubereitet, am Sonn- oder Feiertag wurden dann auch Schweineripperl mitgeschmort. Unsere Familie liebt dieses Gericht bis heute. Schon wenn wir bei der Haustüre reinkommen, riechen wir, dass es bei Oma Rosi wieder Erdäpfel mit Reis und Ripperl gibt. Und das Allerbeste an Omas Grumbira? Das sind eindeutig die angebratenen Erdäpfelscheiben ganz unten am Reindl, die man regelrecht vom Topfboden kratzen muss. Um die streiten wir uns immer.

Du wohnst in Salzburg, kommst ursprünglich aber aus Oberösterreich. Was ist dein liebstes regionales Rezept?

Mein liebstes Rezept aus meinem Heimatort Frankenburg am Hausruck in Oberösterreich sind eindeutig die „Frankenburger Bratknödel". Hierzu wird speziell abgemischtes Faschiertes (ich mach das nach Omas Geheimrezept) zu kleinen Kugeln geformt und dann mit einem Teig aus Mehl und Wasser umhüllt. Die Knödel werden dann in siedendem Wasser gekocht. Dazu gibt es klassischerweise Sauerkraut, Ofenerdäpfel und Rahmkren mit frischem Schnittlauch. Und natürlich schmecken auch diese von Oma am besten!

Wohin gehst du gerade am liebsten auswärts essen? Was ist dein aktuelles Lieblingslokal?

Einen Liebling in dem Sinne gibt es nicht. Aber ich mag schon gerne urige Gasthäuser, die traditionelle Gerichte oder Hausmannskost neu interpretieren oder auf moderne Art in Szene setzen. Da esse ich dann auch schon mal ein Blunzgröstl oder gebackene Leberknödel. Ich finde es unendlich wertvoll, solche Speisen am Leben zu erhalten. Das ist Essen, das in unsere Region gehört und ein großes Stück unserer Kultur ausmacht.

In deiner Küche: Was ist dein liebstes Küchenutensil?

Mein Kostlöffel – er stammt aus der Küche meiner Oma – ich liebe ihn. Vor allem mag ich ihn so, weil er noch perfekt ergonomisch für den Mund geformt ist und nicht so flach und plump ist, so wie Besteck heutzutage oft fabriziert wird. Ein Löffel, wo auch noch was Platz hat.

Was ist deine absolute Lieblingszutat?

Zeit – kein Rezept kommt ohne die notwenige Zeit aus, um es herzustellen. Achtsames Kochen ist für mich besonders wichtig. So kann der Kochprozess nämlich auch nach einem anstrengenden Arbeitstag zu einer entspannten Angelegenheit werden. Vor allem beim Brotbacken ist der Faktor Zeit ein wirklich wesentlicher. Durch einen langen Gärprozess wird Brot nämlich wesentlich besser verdaulich und macht keine Probleme im Darm.

Was ist dein internationaler Lieblingsblog?

Ich liebe die Bilder von little upside down cake und auch von ryelondon. Ich finde einen klaren und minimalistischen Stil einfach sehr ansprechend.

Was ist dein liebstes Kochbuch?

Das Kochbuch aus der Grundschule „Mein erstes Kochbuch" – es ist für mich das ultimative Kochbuch, ganz einfach, ohne Bilder und ohne Schischi. Dieses Buch bekam auch schon meine Mutter in der Schule – Altbewährtes übersteht eine Ewigkeit – ein wahrer Klassiker, der in sehr vielen österreichischen Haushalten benutzt wird.

Wohin geht's mit der „Essthetin"? Hast du bereits ein neues Projekt in Planung?

Momentan ist etwas sehr Wesentliches in Planung, und zwar meine neue Küche in unserem neuen Zuhause, das wir Ende des Jahres beziehen werden. Ich freue mich schon riesig darauf in der neuen Umgebung neue Lichtquellen zum Fotografieren zu entdecken. Wir wohnen zukünftig in unmittelbarer Nähe zum See, was natürlich bedeutet, dass ich die wunderbare Gegend ebenfalls für Fotoprojekte nutzen werde.

Fotos: © Birgit Scheibl/ Essthetin 

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