Nachgefragt bei Alfredo aka Eatnologist, Gewinner in der Kategorie "Das perfekte Paar"

30. September 2019

Zum allerersten Mal war heuer der Österreichische Wein an Bord des Austria Food Blog Awards. Denn was wäre ein gutes Essen ohne die passende Weinbegleitung?! Alfredo vom Blog "Eatnologist" hat unsere Jury mit seinem Rezept "Schokoladentruffel & Schwarzer Knoblauch zum Heinrich St. Laurent 2015" in der Kategorie "Das perfekte Paar" powered by Österreich Wein begeistert. Wir haben Alfredo nachgefragt: 

Alfredo, wie ist die Idee zu deinem Blog entstanden? Woher kommt der Name „Eatnologist"?

Erstmal vielen Dank für das Interview, für den Award und die tolle Organisation. Reisen, Kunst und Kochen sind meine Leidenschaften und in meinen Food Blog habe ich diese Leidenschaften in einem 1, 2, 3 System untereinander gebunden und vereint. Bei "Eatnologist, That Recipe on my Mind" geht es primär darum, Erlebnisse in kulinarische Kreationen umzuwandeln. Dabei versuche ich, diesen kreativen Prozess für den Leser zu veranschaulichen. Von der ersten zündenden Idee – anhand von Notizen, Skizzen und Collagen – bis zur kulinarischen Ausführung möchte ich alle durch eine inspirierende Entdeckungsreise führen. Ein weiteres Ziel ist es, die Kreativität der Leser anzuregen, sodass sie auch ihre eigenen Querverbindungen schaffen. Ich bin tagtäglich in meiner Arbeit mit kreativen Prozesse konfrontiert, deswegen ist das für mich der Schwerpunkt in meinem Blog und Training für den Kopf zugleich.

Woher der Name Eatnologist kam ist relativ leicht zu erklären. Neugier steht für mich an erster Stelle. Als Kind habe ich geträumt, Anthropologe oder Naturforscher zu sein, habe mich dann aber vor allem intensiv mit Kochkulturen und Kunst beschäftigt. Die Mischung aus (in englischer Sprache) "Anthropologist" und "Naturalist" plus eine Prise "Dadaist", so entstand dann "Eatnologist".

Schon vor zwei Jahren wurdest du mit dem ersten Platz beim #afba17 als „Newcomer" ausgezeichnet. Was hat sich seit dieser Auszeichnung für dich und deinen Blog getan?

Der erste Platz bei #afba17 als Newcomer war eine tolle Anerkennung. Ich bewarb mich mit einem alternativen Konzept: Eine Kombination aus Reiseberichten, Skizzen, Collagen und Rezepten, die miteinander verbunden waren und von denen ich sonst keine anderen Vergleichsbeispiele kannte. Da geht man dann lang im Dunkeln und man fragt sich, ob es die Mühe überhaupt wert ist. Wenn man dann gewinnt, ist es so wie ein erstes Licht, welches zeigt, dass man auf den richtigen Weg sein kann. Gerade am Anfang ist so ein Anstoß wichtig und es motiviert einen sehr weiterzumachen und so habe ich es auch getan. Ich habe meinen Food Blog weiter verbessert, von der Struktur bis zum Inhalt. So sind neue, selbst-initiierte Projekte in Kooperation mit einer Gruppe von Druckereien entstanden. Bei den Zugriffszahlen hat sich vor allem bei den Instagram Stories enorm viel getan. Meine Insta-Stories sind eine Art Projekt im Projekt geworden.

Du hast auf deinem Blog ein Projekt „The Cycle of Life". Erzähle uns, was hat es damit auf sich?

The Cycle of Life - That Recipe on my Mind ist eine Reflexion über den Zyklus der Natur und die Phasen des menschlichen Lebens aus einer kulinarischen Perspektive. Ich möchte all diese Querverweise aufzeigen.

Meine Freundin ist aus der Steiermark, zusammen haben wir ein Kind. Ein zweijähriges Mädchen. Wir fahren oft, meistens am Wochenende, zu ihren Eltern, die in einem ruhigen, beinahe idyllischen Dorf leben. Die Eltern haben einen kleinen Gemüse- und Obstgarten, dazu auch noch ein paar Hühner. Sie basieren einen beachtlichen Teil ihrer Ernährung aus dem, was die Natur in diesem kleinen Stück Erde, je nach Jahreszeit, hergibt.

Den Wechsel der Jahreszeiten zu erleben, sich freuen, über das was die Erde uns allen schenkt, die Geburt unserer Tochter und zu beobachten, wie schnell sie in diesen zwei Jahren gewachsen ist, hat eine Ansammlung von Eindrücken und Gedanken mit sich gebracht: Über die Natur, über die Jahreszeiten, über den Lauf der Zeit und über das Leben. In dem Kreislauf der Natur können wir uns selbst sehen.

Das Projekt The Cycle of Life - That Recipe of my Mind ist das Ergebnis dieser wunderbaren Erfahrungen und die Art und Weise, wie ich sie verarbeitet habe. Jeden Monat des Jahres habe ich mit einer Collage illustriert und mir dazu ein Rezept ausgedacht. Das gesamte Jahr symbolisiert den natürlichen Lebenszyklus von Geburt bis zum Tode. Ein Kalender, der in 12 Monaten 12 Phasen des menschlichen Lebens, von der Geburt bis zum Tode, in 12 saisonale Rezepten darstellt. Der Kalender mit den Collagen wurde von einer Druckerei in Deutschland gedruckt.

Deine Wurzeln sind in Spanien und Österreich. Welches Gericht vereint beide deiner Wurzeln für dich am besten?

Von den traditionellen Speisen fallen mir diese ein: Die Paella, das wahrscheinlich bekannteste spanische Gericht, ist in seiner Zubereitung sehr ähnlich mit dem Wiener Reisfleisch. Beide Gerichte haben auch gemeinsam, dass sie ihren Ursprung zugleich in anderen Kulturen haben. Die Verwendung von Paprika als Gewürz ist in vielen Gerichten beider Länder sehr präsent. Ich habe in meinem Blog eigene Rezepte kreiert, die auf meine Wurzeln und meine Kindheit zwischen Spanien und Österreich und meinen beiden Großeltern anknüpfen: "Süße und salzige gebackene Erinnerungen aus meinen beiden Heimaten" heißt die Story und darin sind die Rezepte auch zu finden.

Wohin gehst du gerade am liebsten auswärts essen? Was ist dein aktuelles Lieblingslokal?

Am liebsten auswärts essen gehe ich zu einer Buchhandlung im ersten Bezirk in Wien, die auf Kochbücher spezialisiert ist. Das Babettes, so heißt die Buchhandlung, die wahrscheinlich fast jeder kennt, hat nur drei Tische und bereitet jede Woche ausnahmslos gute Schmorgerichte. Kochbücher und Essen zusammen, das ist mein Paradies. Ansonsten probiere ich alles Querbeet durch und will immer wieder etwas Neues lernen. Neugier hat bei mir (fast) keine Grenzen und bin daher nicht zu sehr auf bestimmte Lokale fixiert. Ich liebe Kontraste.

In deiner Küche: Was ist dein wichtigstes Küchenutensil?

Ein gutes Messer und ein gutes Schneidebrett sind mir wichtig. Die Pfanne verwende ich am meisten. Am kreativsten finde ich den Ofen und in einen brodelnden Topf kann ich stundenlang hineinschauen, es ist wie Meditation.

Was ist deine absolute Lieblingszutat?

Die, die vorhanden sind. Ich mag das "Absolute" nicht. Ich liebe es, aus dem was vorrätig ist, etwas zu machen. Am liebsten ist mir, wenn ich weiß, dass der Kühlschrank und der Vorrat fast leer sind. In so einer Situation ist der Kopf gezwungen, offen für alles zu sein und neue Verbindungen zu schaffen. Kreativität entsteht in solchen Situationen. Und ich finde oder erfinde immer etwas. Eins muss ich aber zugeben: Wenn es zu Hause lang kein gutes Olivenöl gibt, da werde ich nervös.

Was ist dein internationaler Lieblingsblog?

Ich bin immer auf der Suche nach kreativen, eigenwilligen Food Blogs, die etwas aus einer neuen Perspektive zeigen können. Auch Blogs, die eine bestimmte Erzählungsform, einen bestimmten Ton haben oder etwas introspektiv sind, habe ich gerne. Schwer eines zu nennen... aber ich finde Strangertalk besonders gut.

Was ist dein liebstes Kochbuch?

Auch schwer. Ich habe hunderte Bücher und könnte mich von denen nie trennen, von keinem einzigen. Ich merke aber, dass ich oft zum "Geschmacksthesaurus" von Niki Segnit greife.

Wohin geht's mit „Eatnologist"? Was ist dein nächstes Projekt mit „Eatnologist"?

Ich möchte mit Eatnologist den Weg genießen und weiterlernen. The Cycle of Life - That Recipe on my Mind ist so wie mein "Überprojekt" geworden und wird es auch bleiben. Ich möchte Menschen weiter inspirieren und diesen Dialog und die Schnittstellen zwischen Erfahrung, Kunst und Kulinarik zeigen, sodass Menschen zu ihrer eigenen Kreativität finden. Ich möchte sie alle mit auf diese Reise nehmen, auch in Bereich der Kooperationen. Kreativität ist heut zu Tage ein wichtiges und gefragtes Tool in vielen Bereichen des Lebens. Essen und Kunst sind universelle Sprachen, mit denen man vieles erklären oder deuten kann. Dazu habe ich schon weitere Projekte in Arbeit, die irgendwann mal konkreter sein werden.

Hier geht's zum Blog Eatnologist
Fotos: © Eatnologist

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