Nachgefragt bei Karin Stöttinger von Geschmacksmomente, Gewinnerin in der Kategorie "Blog des Jahres"

30. September 2019

Mit ihrem Blog "Geschmacksmomente" hat Karin Stöttinger heuer den ersten Platz in der Kategorie "Blog des Jahres" powered by BILLA geholt – die Kategorie, mit der jährlich der Blog ausgezeichnet wird, der auf ganzer Linie überzeugt und mit Bild, Text und Kreativität beeindruckt. Wir haben unsere Gewinnerin zum kurzen Interview gebeten: 

Karin, wie ist die Idee zu deinem Blog entstanden? Woher kommt der Name „Geschmacksmomente"?

Eigentlich hatte ich die Idee zu meinem ersten Buch „Shaking Salad“ zuerst. Im Zuge der Konzepterstellung stellte ich fest, dass ich anscheinend ein Auge für schöne „Essensfotos“ habe und darüber hinaus immer wieder Freunde mit meinen einfach, kreativen Gerichten begeisterte. Nach dem Blognamen habe ich lange gesucht. Gefunden habe ich ihn aber eher zufällig in einem Gespräch mit meinem Grafiker, der mich fragte, was ich eigentlich auf meinem zukünftigen Blog vermitteln möchte. Ich meinte, was im Leben bleibt, sind ein paar Geschmacksmomente, an die man sich für immer erinnern wird. Und zack, war der Name gefunden.

Du wurdest bereits vielfach für deinen Blog ausgezeichnet, im Jahr 2017 hast du den 1. Platz in der Kategorie „Bester Blog Austria" geschafft, heuer den 1. Platz als "Blog des Jahres". Was hat sich seit diesen Auszeichnungen für deinen Blog getan? 

Das Medieninteresse hat deutlich zugenommen. Ich werde immer wieder für Interviews angefragt, bekomme viele Kooperationsanfragen und Einladungen zu Events oder Fernsehinterviews. Die Auszeichnungen sind eine unglaubliche Ehre und ich bin sehr stolz, unter so vielen talentierten und großartigen MitbewerberInnen diesen Titel tragen zu dürfen.

Du bist nicht nur Food Bloggerin, sondern hast auch bereits 3 Kochbücher im Brandstätter Verlag veröffentlicht. Wie ist die Idee zu deinen Kochbüchern entstanden?

Ich würde sagen, es hat alles mit Baywatch in den 90er Jahren angefangen. Im Vorspann sah ich immer diese tollen WellenreiterInnen. Das wollte ich lernen. 25 Jahre später war es dann soweit. Im Surfcamp überraschte uns der Koch zu Mittag immer mit Salaten im Glas, schön portioniert für jede/n. Die Idee fand ich so toll, dass ich sie mit ins Büro nahm und zum Schluss einmal pro Woche 12 KollegInnen bekochte. Aus diesen unterschiedlichsten Kreationen entstand die Idee zu meinem ersten Kochbuch.

Zusätzlich hast du letztes Jahr auch ein eigenes Rezeptheft gelauncht, das sogar mit einem Design Award ausgezeichnet wurde. Wo bekommt man dein Magazin?

„Wir drucken das Internet aus“, war die simple Idee hinter dem Rezeptheft. Ich hinterfrage mich und meine Arbeit nach jedem Foto oder Projekt. Wie kann ich einen anderen Weg als alle anderen gehen und wohin geht es mit mir und meinem Blog. Besser gesagt, was wird bleiben? Ich liebe Papier, die Haptik und das Gefühl, ein wunderschönes Magazin durchzublättern. Mein Grafiker Gerhard Kirchschläger und ich haben es vorerst nur für unseren Eigenbedarf produziert. Bei Interesse bitten wir um persönlichen Kontakt.

Du wohnst in Oberösterreich. Was ist deine liebstes regionales Rezept aus dieser Region? 

Mein absolutes Lieblingsrezept ist der Grießauflauf meiner Oma, die leider schon sehr bald verstorben ist. Meine Mutter hat dieses Rezept weitergetragen und ich koche es mittlerweile regelmäßig für meinen Sohn. Manchmal frage ich mich, ob Geschmack vererbbar sein kann oder ob es die Liebe in der Zubereitung und das Wissen über den Ursprung ist. Darüber hinaus liebe ich im Herbst und Winter alle Knödelrezepte aus unserer Region.

Wohin gehst du gerade am liebsten auswärts essen? Was ist dein aktuelles Lieblingslokal?

Meinen letzten, unvergesslichen Geschmacksmoment hatte ich im Hotel Post in Traunkirchen am Traunsee. Ich aß die vegetarische Variante der kalten Essigwurst. Die Kombination aus gegrillter Melanzani und Zucchini mit Misodressing, wachsweichem Ei und frischen Salat hat mich umgehauen. Die Kombination schmeckte nach Schmalzbrot, spiegelte jedoch die Leichtigkeit des Sommers wieder. Ich versuche seither, mich an den Geschmack heranzutasten, scheitere aber immer wieder. Ich glaube, ich sollte schleunigst wieder mal das Original kosten. Das Restaurant und die Umgebung ist auf jeden Fall eine Reise wert.

In deiner Küche: Was ist dein wichtigstes Küchenutensil?

Mein wichtigstes Küchenutensil ist ein gutes Messer. Egal ob schneiden, schaben, drücken, hacken oder schälen. Alles ist mit einem Utensil möglich. Das liebe ich.

Was ist deine absolute Lieblingszutat? 

Meine Lieblingszutat ist ein naturbelassenes, heimisches Salz.

Was ist dein internationaler Lieblingsblog? 

Ich liebe den Fotostil von ryelondon. Vor zwei Jahren habe ich einen zweitägigen One-to-one Workshop bei ihr in London gemacht. Mittlerweile ist sie Absolventen der Leith's Cooking School of London und kreiert auf fundierter Basis herausragende Rezepte.   

Was ist dein liebstes Kochbuch? 

Ich liebe den Geschmacksthesaurus von Niki Segnit. Darin recherchiere ich mir unbekannte Geschmackskombinationen. Begeistert gelesen habe ich zuletzt das Kochbuch von Samin Nosrat – „Salt, fat, acid, heat – mastering the elements of good cooking“.

Wohin geht's mit „Geschmacksmomente"? Was ist dein nächstes Projekt mit „Geschmacksmomente"? 

Mein Sohn war diesen Sommer erschüttert über die Waldbrände in Brasilien und den Auswirkungen auf unser Klima. Ein Satz von ihm hat mich endgültig wach gerüttelt, indem er sagte, er werde nicht mehr die gleiche Welt vorfinden, wie ich sie kenne. Daher wird es auf dem Blog in Richtung regionaler Schätze, inspiriert von internationalen Gerichten gehen. Ich möchte mich in die Jahreszeiten und die saisonbedingten Produkte einarbeiten und kreativ Einfaches zaubern. Im Zuge dessen sollen auch die Produzenten vor die Kamera geholt werden, um noch mehr Input geben zu können. Also, es bleibt spannend.

Hier geht's zum Blog Geschmacksmomente von Karin Stöttinger
Fotos: © Karin Stöttinger 

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