Brot-Expertin, Obfrau von Slow Food Wien und #afba18 Jurorin Barbara van Melle im Talk

26. April 2018

Barbara van Melle ist begeisterte Brotbäckerin, Journalistin, Autorin, Unternehmerin und Leiterin von Slow Food Wien. Sie war 25 Jahre als Gestalterin und Moderatorin für zahlreiche TV-Formate des ORF tätig. Seit 2006 leitet sie das Slow Food Convivium Wien. Die Arbeit am Buch „Der Duft von frischem Brot“, das zum Bestseller wurde, hat sie zur leidenschaftlichen Hobbybäckerin gemacht und darüber hinaus dazu inspiriert, sich aktiv für das österreichische Bäckerhandwerk einzusetzen. Aus ihrer Brotleidenschaft heraus hat Barbara auch das österreichische Brotfestival Kruste & Krume ins Leben gerufen, bei dem heuer über 35 Bäcker aus Österreich, der Slowakei und dem Piemont dabei waren. Im Februar diesen Jahres eröffnete sie außerdem gemeinsam mit Bäckermeister Simon Wöckl das Brotbackatelier in der Wiener Heumühlgasse. Wir haben sie dort besucht und mit ihr über den Duft von frischem Brot, über das Bewahren von österreichischer Ess- und Trinkkultur und über ihre Jury-Tätigkeit im Rahmen des #afba18 gesprochen.  

 

AFBA: Barbara, gemeinsam mit Simon Wöckl hast du gerade das erste Wiener Brotbackatelier eröffnet. Ihr bietet Workshops zum Brot-Backen an. Was kann man bei euch lernen?

Barbara: Wir bieten Brotbackworkshops zu den unterschiedlichsten Themen an. Von Roggensauerteig-Workshops für Newcomer bis zu Spezialthemen wie „Bella Italia“. In diesem Workshop backen wir zum Beispiel mit österreichischem Hartweizen großartige Pizzateige, Foccacia oder Grissini. Alle Workshops sind so aufgebaut, dass die TeilnehmerInnen möglichst viel praktisches Wissen und Know How mitnehmen. Simon und ich sind dabei ein perfektes Team: Simon ist ein großartiger Bäckermeister und vermittelt professionelles Bäckerwissen, durch sein Studium der Agrarwissenschaften gibt er auch fundierten Einblick in die Grundlagen des Brotbackens. Ich sorge dafür, dass alle Rezepte „haushaltstauglich“ sind und bemühme mich unter anderem um die Vermittlung von historischen Hintergründen.

AFBA: Wie kam es zu der Idee, ein Workshop-Studio für das Brothandwerk zu eröffnen?

Barbara: Im Rahmen des jährlichen Kruste&Krume Brotfestivals waren unsere Workshops stets rasant ausgebucht. Der Bedarf an Brotbackworkshops war daher unübersehbar und deshalb machte ich mich auf die Suche nach einer Location, die sich für das erste professionell ausgestattete Brotbackatelier eignet.

AFBA: Du bist mit dem Brotatelier auch Neo-Unternehmerin. Welche Tipps kannst du Food-BloggerInnen mitgeben, die aus einer Passion heraus ein Unternehmen gründen möchten?

Barbara: Die Gründung eines Unternehmens ist eine echte Herausforderung. Wichtig sind die eigene Leidenschaft, unternehmerisches Denken und der Wille viel, viel unbezahlte Arbeit in der Aufbauphase zu leisten. Darüber hinaus muss man auch bereit sein, bürokratische Hürden zu nehmen, die einen manchmal an die Grenzen der Leistungsfähigkeit bringen. Trotzdem kann ich nur dazu raten, weil es eine großartige Erfahrung ist, wenn die eigene Idee auch wirtschaftlich erfolgreich ist.

AFBA: Woher kommt eigentlich deine Leidenschaft für Brot? Warum ausgerechnet Brot?

Barbara: Ich beschäftige mich durch meine Arbeit für Slow Food seit vielen Jahren mit der Herkunft von Lebensmitteln, mit den Fragen der Biodiversität, den Auswirklungen der  Industrialisierung unserer Lebensmittelproduktion und der Zukunft von Ernährungskonzepten. Brot ist dabei für mich das Grundnahrungsmittel schlechthin, an dem sich die Entwicklung und Trends unserer Lebensmittelproduktion aufzeigen lassen.

AFBA: Du hast das Buch „Der Duft von frischem Brot“ herausgebracht, das mittlerweile ein Bestseller ist. Könntest du dir auch vorstellen, über das Brotbacken zu bloggen?

Barbara: Gute Blogs brauchen viel Zeit - so wie gutes Brot. Ich konzentriere mich zurzeit auf den Aufbau meines Unternehmens. Im September starten wir zum Beispiel unseren Kruste&Krume YouTube Channel - das wird die nächste Herausforderung.

AFBA: Gemeinsam mit Slow Food Wien setzt du dich seit 2006 für Genuss und regionaltypische Lebensmittel und Spezialitäten ein. Wie beurteilst du die österreichische Food-Blogger-Szene aus Slow Food Sicht?

Barbara: Ich würde mir oft mehr kritische Auseinandersetzung mit der Herkunft von Lebensmitteln wünschen, mehr Hintergrundrecherche, mehr direkte Bezüge zu den LebensmittelproduzentInnen.

AFBA: Unser Schirmherr ist das Kuratorium Kulinarisches Erbe Österreich, das - ähnlich wie Slow Food - die Wurzeln österreichischer Ess- und Trinkkultur, Rezepte und typische österreichische Lebensmittel bewahren und sie vor dem Vergessen zu schützen möchte. Wir haben dafür die Award-Kategorie „Kulinarische Schätze“ eingeführt und im letzten Jahr zum ersten Mal ausgezeichnet. Wie wichtig findest du, dass der Austria Food Blog Award dieses Thema ebenfalls aufgreift?

Barbara: In meinen Augen geht es hier um ein zentrales Thema. Aber es sollte nicht um das romantische Bewahren gehen, sondern um das aktive Erhalten von Biodiversität, Lebensmittelhanderk und Rezepturen. Das sind wahre Schätze, die es gilt wieder verfügbar zu machen. 

AFBA: Du bist Journalistin und Autorin - wie viel Augenmerk wirst du bei der Beurteilung der Food Blogs auf die Textkompetenz legen?

Barbara: Selbstverständlich hat die Textkompetenz einen hohen Stellenwert - allerdings ist sie nur ein Baustein von vielen bei der Beurteilung von Blogs.

AFBA: Was wird dir als Jurymitglied bei Austria Food Blog Award bei der Bewertung der einzelnen Blogs noch wichtig sein?

Barbara: Ich werde darauf achten, ob die Blogs authentisch und ehrlich sind. Damit meine ich, ob Themen auch hinterfragt werden und wirkliches Interesse zu spüren ist.   

 

Unter diesen Links könnt ihr mehr über Barbara van Melle erfahren:

Kruste & Krume: https://krusteundkrume.at/

Slow Food Wien: http://www.slowfood-wien.at/

 

Fotocredits: Porträt Barbara van Melle: Wolfgang Hummer; Brotback-Atelier: Lukas Lorenz
Interview: Daniela Wiebogen 

Der AFBA 2018 startet mit neuen Kategorien und Jurymitgliedern im Mai 2018, abonniere unseren NEWSLETTER und halte dich am Laufenden.

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