Über Essen reden - der Culinary Art Power Day in Salzburg

24. Jänner 2018

Ohne Unterlass reden, schreiben und diskutieren wir über Essen und Trinken. Das wissen Food Blogger nur zu gut. Auch der diesjährige Culinary Art Power Day am 22. Jänner in Salzburg stand ganz unter dem Motto „ÜBER ESSEN REDEN“. 

Für Christian Seiler, Kurator und Moderator des Power Day, ist über Essen reden eine Selbstverständlichkeit, denn „es bietet immer Gesprächsstoff. Ganz egal, ob man über das zuletzt verspeiste oder das bald folgende Mahl spricht.“ Wichtig ist dabei auch, wie darüber gesprochen wird. Für ihn bewegt sich die Sprache immer zwischen den Polen Schönheit und Wahrheit.

Hochkulinarische Satire  

Gestartet wurde mit einem Augenzwinkern. Die Kabarettisten Florian Scheuba und Thomas Maurer, die selbst ernannten „Hofnarren der besten Winzer und Gastronomen des Landes“, amüsierten sich in ihrer Keynote „Satte Worte“ über die Trends in der Sprache von Kulinarik, Gastronomie und Wein. Mit kreativen Vorschlägen für Weinnamen („Schall & Rausch“) und originellen Empfehlungen für die Speisekarte („Luftangriff von der Flugente“) versuchen sie einen Beitrag zur Weltverbesserung zu leisten und sinnierten über viel zu jung getrunkenen Wein („Bei den meisten Menschen hält Haltbarmilch länger als ein guter Veltliner.“).

Culinary Art Salzburg 2018 © Andreas Kolarik

 

Emotionen erzeugen und Erinnerungen wecken

Die Frage „Was macht eigentlich eine gelungene, kulinarische Geschichte aus?“ diskutierte Christian Seiler mit drei hochkarätigen Diskutanten: Für Vijay Sapre, Gründer und Herausgeber von Effilee, sind meist die kleinen Geschichten die interessantesten, die es gilt, entsprechend zu erzählen. Denn die Herausforderung, vor allem auch für Printmagazine ist, die Leser dazu zu verleiten, sich mit langen Geschichten und nicht nur kurzen Snippets auseinanderzusetzen. Peter Gnaiger, Kulinarikjournalist der Salzburger Nachrichten, findet gute Geschichten meist dort, wo die Arbeit passiert – bei den Produzenten oder in den Küchen. Sein Ziel ist es immer, dass die Leser ganz in seine Geschichte eintauchen, den Geschmack eines Gerichts förmlich auf der Zunge spüren und am liebsten sofort in die Küche laufen, um ein Gericht nachzukochen. Lojze Wieser, TV-Produzent und Schriftsteller, sieht schließlich in der Digitalisierung auch eine große Chance: denn erstmals ist es möglich, dass wir den kulinarischen Erfahrungsschatz unserer Großeltern zusammenführen und so vor dem Verlust bewahren. Gerade kulinarische Erinnerungen bergen einen irrsinnigen Schatz für gelungene, kulinarische Geschichten.

Culinary Art Salzburg 2018 © Andreas Kolarik

 

Authentische Fotos

Die Frage „Wie sieht mein Essen gut aus?“ beleuchtete am Nachmittag des Power Days schließlich Silvio Knejzevic, Food-Fotograf des ZEITMAGAZIN. Von der Uni weg wurde er für das ZEITMAGAZIN engagiert und fotografiert seither u.a. den wöchentlichen Wochenmarkt, aber auch für zahlreiche Kochbücher. Sein Rezept für gute Fotos sind ein Gefühl für gute Lebensmittel plus Neugier und die Fähigkeit, sich von Situationen oder Gerichten überraschen zu lassen. Silvio empfiehlt viel Wert auf schöne Food Props zu legen, um eine eigene, kleine Welt zu kreieren. Denn Gerichte tragen schon viel Leben in sich, das durch schöne Accessoires noch verstärkt werden kann. Für schöne Fotos braucht es kein teures Equipment: ein Nordfenster mit Tageslicht reicht, um ein ganzes Kochbuch zu shooten, so Silvio. Heute ist Authentizität auch in der Food-Fotografie das Maß aller Dinge. Jamie Oliver haben wir es zu verdanken, dass Food-Fotos heute viel echter aussehen als früher.

Culinary Art Salzburg 2018 © Andreas Kolarik

 

Die Leser mitnehmen

Parallel dazu verriet Alexandra Palla, Werbeagentur-Chefin, Designerin, Foodbloggerin und AFBA-Gründerin, ihr Geheimnis, wie man einen Foodblog zum Geschäft werden lassen kann. Ursprünglich gar nicht als Geschäftsidee geplant, sondern als digitales Rezeptarchiv für ihre beiden Töchter, ist der 2011 gegründete ROUGH CUT BLOG heute um ein Blogger-Küchenstudio, eine eigene Designlinie und (bald) zwei Kochbücher reicher. Voraussetzung ist die Entwicklung einer ganz eigenen Stimme, Kreativität bei der Umsetzung und der Aufbau einer Community. Am besten geht das, wenn man seine Leser mitnimmt, vom Einkauf bis zum fertigen Gericht, empfiehlt Alexandra. Ihr Fazit: ein Food Blog alleine ist kein Geschäft, aber er hat das unglaubliche Potential zur Rakete und Plattform für das eigene Geschäft zu werden!  

Culinary Art Salzburg 2018 © Andreas Kolarik

 

Das Bedürfnis nach Inhalt

Gemeinsam mit RONDO-Restaurantkritiker Severin Corti diskutierten Jakob Strobel y Serra von der FAZ und David Schnapps vom Schweizer Blog Das Filet, ob denn das Internet die Zeitung bei Restaurantkritiken längst abgehängt hat. Einig ist man sich: Gourmetkritik wird über kurz oder lang auch online zu finden sein. Aber nur ein paar Bilder, Ratings oder kurze Statements allein werden in Zukunft wohl nicht mehr genügen, weil die Menschen ein Bedürfnis nach Inhalt und Tiefe haben. 

Culinary Art Salzburg 2018 © Andreas Kolarik 

Kritik spornt den Ehrgeiz an

Christian Grünwald, Chefredakteur des Gourmetmagazins À la Carte, Sternekoch Konstantin Filippou und Andreas Gfrerer, Gastronom und Eigentümer der Blauen Gans, diskutierten über faire Restaurantkritik und den Wert dieser für den Koch. Für Andreas Gfrerer ist jeder einzelne, gut bewerte Betrieb von hoher Bedeutung, auch für die umliegenden Restaurants und Betriebe. Soziale Medien haben dabei einen besonderen Stellenwert, denn Kritik, vor allem auch schlechte, bleibt in Online-Medien für immer erhalten. Gelegentlich fehle es auch an Objektivität, so Christian Grünwald. Konstantin Filippou hingegen nimmt es sportlich: die direkte „Kritik“ der Gäste spornt seinen Ehrgeiz an.

Culinary Art Salzburg 2018 © Andreas Kolarik

 

Guter Wein erzählt eine Geschichte

Was wollen die Leute eigentlich über Wein wissen, fragten sich Stephan Reinhardt, Weinkritiker für den US-amerikanischen Wine Advocate und Roland Velich, Weingut Moric, gemeinsam mit Sommelière und Weinjournalistin Petra Bader. Über Wein zu sprechen, sei eine wahre Herausforderung, vor allem, um dem Getränk nicht seine eigentliche Bedeutung, nämlich Genuss und Lebensfreude, zu nehmen. Für Winzer Roland Velich geht es darum, mit dem Reden und Schreiben über Wein nicht nur den Wein, sondern auch dessen Geschichte und kulturelle Herkunft zu transportieren. Denn Wein ist ein Kulturgut, in manchen Weingärten haben schon 4 bis 5 Generationen gearbeitet. Weinkritiker Stephan Reinhardt stimmt zu: „der Wein muss etwas erzählen“. Er möchte Weine so beschreiben, dass die Leute Lust haben, den Wein zu trinken. Auch wenn das in seinem aktuellen Job für Robert Parker’s Wine Advocate zu kurz kommt, werde doch dort alles auf Zahlen und Ratings reduziert. Beim Power Day kümmerte sich Roland Velich jedenfalls gleich selbst um die Geschichten zu seinem Moric Reserve 2015 in den Gläsern der Diskussionsteilnehmer und sorgte dafür, dass Tag ebenso wenig trocken endete, wie er begonnen hatte.  

Text: Daniela Wiebogen
Fotos: Andreas Kolarik für Altstadt Salzburg Marketing GmbH

 

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